Für Macher und Problemlöser

 

Lösungsorientiert gegen das Gummizellen-Syndrom

 

Sie kennen das Gummizellen-Syndrom nicht? Das ist kein Wunder, das ist meine Wortschöpfung. Ich meine damit dieses Denken in Vorschriften, was so zäh und starr ist, wie ich mir den Belag einer Gummizelle vorstelle. Das ist ein Ort, in dem man theoretisch mit dem Kopf so lange gegen die Wände rennen kann, bis er bricht. In den Gummizellen der Gesellschaften – ob in der Politik oder in der Wirtschaft oder der Kultur – herrschen Überreguliertheit, Anpassungsdruck, Gleichschritt.  Das Ergebnis ist Untertänigkeit und Mittelmaß mit Tendenz zur Magersucht.

Menschen unterwerfen sich dabei unter die normative Kraft des Faktischen – beim Arbeiten und Leben. Menschen denken und glauben und sagen dann: „Tja, es ist wie es ist, geht nicht anders, never touch a running system.“ Die für vitales Leben essentielle gesunde Selbstwirksamkeitserwartung wird unterminiert, kastriert, dann heißt die Diagnose plötzlich: „Depression!“

Zum Gummizellen-Syndrom gehört wie die Faust aufs Auge der Burnout. Sie wissen ja vom Grillen im Sommer, dass Ihr Feuerchen nur zum Brennen kommt mit Sauerstoff. Wo die frische Luft fehlt, sackt auch das Lebensfeuer in sich zusammen. In den Gummizellen des Denkens gibt es keine Frischluft. Dort wälzt man Altes um.

Die menschlichen Lebensfeuer brauchen eben Begeisterung!

 

Macher und Problemlöser brauchen Spielraum

Sie wollen immer wissen, wie es gehen könnte. Sie stellen Wie-Fragen und sind selbstbewusst.

Macher und Problemlöser bringen Frischluft und sind deswegen bei den Ofenhockern nicht beliebt, die es dann nämlich friert. Weil es sein kann, dass aus der Frischluft Durchzug wird und dann plötzlich der vermeintlich sichere Stuhl, auf dem der Ofenhocker sitzt, wegbricht. Chaos, Umsturz, Wirrwarr! Dass aber das Durcheinander zuweilen sein muss, damit das Neue entstehen darf, vergessen die Ofenhocker in ihrer Liebe zum Komfortzonen-Mief ganz und völlig.

Friedhofsruhe der angeblich geordneten Abläufe herrscht in allen bürokratischen Einheiten. Alle Konzerne, aus denen leidtragende Mitarbeiter zu mir ins Coaching kommen, sind solche bürokratischen Einheiten, weil die Bürokraten in einer inhärenten Zwangsläufigkeit die Regie übernehmen von einer gewissen Größe einer Organisationsstruktur an – sei es ein Unternehmen oder ein Staat.

Lösungsorientiert als Prinzip gilt in bürokratischen Einheiten nicht mehr. Sondern es müssen „Wege“ eingehalten werden, bestimmte Abfolgen in bestimmten Zeiteinheiten. Es herrscht Planwirtschaft, die sich durch Linearität auszeichnet. Wege sind dabei vorgezeichnet und dürfen nicht verlassen werden. Spontane Ordnung ist unwillkommen, weil sie den Plan stört.

Macher-Typen, die ergebnisorientiert denken und handeln, stören die Planerfüllung. Macher resignieren meistens, weil die bürokratischen Systeme und die sie bewohnenden Bürokraten Probleme nicht lösen wollen. Denn: Was würde dann aus den Bürokraten, wären die Probleme weg? Bürokraten verwalten Probleme lieber, als sie zu lösen.

 

Ja, wo denken Sie denn hin?!

Andere Sätze aus dem Gummizellen-Syndrom heißen auch:

  • Das geht nicht
  • Das hatten wir so aber noch nie
  • Das ist durch die XY-Verordnung verboten
  • Ich MUSS das so machen und
  • ich darf gar nicht anders

Und neuerdings ist oft zu hören, dies oder das sei wegen den neuen Datenschutzbestimmungen eben so.

Nehmen wir an, Sie gehören zu den beharrlichen lösungsorientierten Menschen, die nicht locker lassen, kann es passieren, dass man Ihnen vorwirft, unhöflich zu sein und „schwierig“. Sie sind dann ein Störenfried, weil sie die angeblich geordneten Abläufe stören, den Betriebsfrieden. Man kann auch sagen: Sie stören die Friedhofsruhe. Sie machen schlechtes Gewissen.

 

„Geht nicht“ gibt’s mehr und mehr

 

Trotz aller Bücher über „Schwarze Schwäne„, Spieltheorie und Positive Psychologie greift das Gummizellen-Syndrom immer mehr um sich.

Kürzlich etwa mailte ich dem Chef eines großen Bekleidungskonzerns, die Damen in seiner Hotline seien im Kundengespräch mit mir so zäh gewesen im Gespräch, wie alter Gummi. Ich kam mir vor, wie in einer Gummizelle für unartige Kunden. Man sagte zu mir in einem fort: „Da kann ich nichts machen. Man kann in diesen Prozess nicht mehr eingreifen. Da kann ich nichts tun.“ Man reichte mir auch nicht den kleinsten Finger für die Lösung eines Problems.

Auf meinen Einwand, das Problem läge aber doch auf dem Tisch, auch Lösungen dafür gebe es anderswo und könnten  übernommen werden, kam stereotyp die Antwort: „Ja, da kann ich aber nichts machen.“ Der CEO aktivierte dann eine Abteilungsleiterin und plötzlich ging doch was. Ausnahmsweise.

Und ich frage mich schon, was haben die Menschen dort für Ziele bei ihrem Wirtschaften. Will man Kunden vergraulen oder faszinieren?

Eine Klientin heute erzählte, genauso eine Geschiche habe sie als Kundin bei der Deutschen Bahn erlebt. Und viele Klienten berichten, solche Geschichten erlebten sie als Manager tagtäglich: Alle trotten im Gleichschritt vor sich hin, trachten wie einst im Sozialismus, den Plan zu erfüllen. Es geht um den Plan. Probleme werden unter den Tisch gekehrt und also auch nicht gelöst – der sicherste Weg für sehr viele Mitarbeiter in die Resignation, die Erlahmung, den Burnout.

 

Macher und Problemlöser – was tun?

  • Meine Antwort ist: Seien Sie radikal und werden Sie immer radikaler!

Wer Sie entmutigen und auf Linie bringen will, ist nicht Ihr Freund, sondern das Gegenteil.

  • Setzen Sie sich in jeder Lage Ziele, weil Ziele Probleme lösen können.

Aus Gründen dessen, was ich Hirnmechanik nenne – das wundervolle Zusammenspiel unserer drei Kopforgane.

Und weil unser grandioses Großhirn, wo die Ratio sitzt und plant und Wissen verwaltet und anwendet, Ziele unbedingt verwirklichen will.

  • Suchen Sie Bündnispartner

Gleich und gleich gesellt sich gerne. Tun Sie sich mit den Menschen zusammen, die Sie als Wahlverwandte erkennen, die ebenfalls Macher und Problemlöser sind.

 

Große mutige Ziele setzen

Die meisten Menschen leben ziellos dahin, weil sie Probleme ignorieren und zu wenig Selbstwert besitzen. Problemlöser wollen Probleme lösen und ignorieren sie deswegen nicht. Das ist der Anfang zur Lösung, weil sich in den Problemen sachlogisch Ziele verbergen. Es ist die Schwarz-Weiß-Methode, die aus Problemen Ziele machen kann:

Wenn ich Problem X nicht mehr will – was will ich stattdessen. So heißt die zielführende Frage dabei.

Ihre großen und mutigen Ziele finden Sie mit der Erkundung der Bereiche hinter einem Ziele: Wofür wird es gut sein, fragen Sie dafür, wenn ich dieses Ziel erreicht haben werde?

Probieren Sie es aus – Sie werden schnell merken, wie es funktioniert und wie gut es Ihnen tut!

Solche großen und mutigen Ziele entwickeln Zugkraft. Und – hier steht eine Warnung – sie machen Schluß mit den Komfortzonen! Ziele fürs Leben erzwingen geradezu Ihre Entwicklung und sind also nichts für Ofenhocker, Kuschelkatzen und Weicheier. Den Ausdruck habe ich zuletzt in einem bemerkenswerten Interview der Zeitung WELT gefunden: Sergei Polunin hat ihn verwendet, der als Ballett-Tänzer gar nicht anders kann, als Macher und Problemlöser zu sein.

Besonders große und mutige Ziele entdecken Sie auch mit der Frage: Was wäre das Doppelte vom Unmöglichen? Ja! Und niemand hat angeordnet, dass wir beim Ziele-Entdecken toternst bleiben müssten! Im Gegenteil! Wirklich gute Ziele bringen uns zum Lachen – weil sie unser Herz berühren, weil sie uns begeistern.

Und im Coaching fangen absolut alle meine Klienten und Mandanten an dieser Stelle an, sehr zu lachen. Das Doppelte vom vermeintlich Unmöglichen … ja, machen Sie einfach mal! Sie kommen auf diese Weise Ihren Herzens-Wünschen auf die Spur und können sie zu griffigen Zielen operationalisieren. Deswegen wird Ihr Herz hüpfen und Sie werden lachen.

 

Die Umsetzung mit Wie-Fragen

Voraussetzung für die Wie-Fragen sind also, dass Sie lachend und eisern klare Ziele gesetzt haben und die jetzt ebenso eisern verfolgen, wie etwa Störche ihre Nester bauen, weil sie ohne groß nachzudenken beseelt sind vom Bestreben, sich fortzupflanzen. Sie erhalten damit die Gattung, erleben das Glück der Liebe und der Elternschaft – was gibt es Schöneres! Und man muss dafür Nester bauen und dafür muss man das richtige Material einsammeln.

Wer keine Ziele hat, hilft anderen die ihren zu erreichen. Wer keine Ziele setzt, erreicht auch keine. Das sind Selbst-Zitate aus meinem Coachingbuch KURZ & GUT, das Sie hier gratis lesen dürfen, weil ich Probleme nicht leiden kann und gerne dabei helfe, sie mit Zieldenken wegzuzaubern.

Zielesetzen erfordert ein bisschen Mut und Denken über die Tellerränder hinaus – vor allem dann, wenn Sie in einer Lage stecken, die Ihnen aussichtlos vorkommt.

Da ist etwa der eine Klient, der in einem Regierungsapparat steckt und erlebt, wie seine Bewerbungen allesamt  blockiert werden. Nachdem er sich lange genug geärgert hat, engagiert er sich einen Coach, mich. „Es ist jetzt alles ausgereizt!“ sagt der Klient frustriert. Wir tasten uns heran, ich stelle meine provokanten Fragen, die es meiste leicht schaffen, die Perspektiven zu verrücken, weil sie selber leicht verrückt sind.

Will der Klient wirklich Abteilungsleiter werden oder vielleicht lieber Ministerpräsident? Wieviel Macht soll’s denn sein. „Oh nein, Ministerpräsident nicht, zu viel Protokoll!“ Plötzlich schießt es heraus: „Bürgermeister würde ich gerne sein, am liebsten in einem Alpendorf! Da kann man wirklich auf den direkten einfachen Wegen was bewirken!“ Ab jetzt stellen wir nur noch die Wie-Fragen:

Wo genau will der Klient Bürgermeister sein? Wie wird man Bürgermeister? Was genau ist zu tun dabei? Wann wird dort das Amt frei? Was ist in der Zeit zu tun, um darauf zuzuwachsen?

Große Ziele erfordern persönliches Wachstum und halten deswegen auch jung!

Macher und Problemlöser brauchen von Zeit zu Zeit Ermutigung – deswegen habe in diesen Artikel geschrieben.

Bleiben Sie sich treu und tun Sie was für sich!