Kopf in den Sand

Kopf in den Sand stecken

Menschen sind Meister darin, unangenehme Informationen auszublenden. Wir kneifen die Augen besonders fest zu, wenn viel auf dem Spiel steht. Als Patienten, Manager, Politiker, Staatsbürger. Sind wir zu faul, die Komfortzone zu verlassen? Oder haben wir einfach Angst, Großes zu bewirken, aus Angst negativ aufzufallen? Oder fehlt uns die Phantasie zur Alternative, wie jene vielen, die momentan in Deutschland sagen, sie fänden die Kanzlerin Merkel schon sehr unfähig. „Aber es gibt ja sonst niemanden!“

Das sture Weitermachen

Eine junge Klientin, die in einem großen deutschen Konzerne die mittlere Führungsebene erreicht hat und gerne noch mehr Gestaltungsbefugnisse will, bekam das Angebot, in einem zukunftsorientierten Projekt die Führung zu übernehmen. Große Freude. Aber die Sache zog sich hin. Allmählich sah es aus, als solle das Projekt totgeredet werden – eine Konferenz kam nach der anderen, auf der Agenda Nebensächlichkeiten. Es wurde ihr zu bunt. Wir machten zusammen ein paar Brainstormings. Danach teilte sie den Verantwortlichen mit, sie stünde für weitere Diskussionen so lange nicht mehr zur Verfügung, ehe nicht zentrale Struktur-Probleme ergebnisorientiert geklärt seien. Es hat sie Mut gekostet. „Werden die nicht sagen, ich sei destruktiv?“

Kopf in den Sand ist tödlich

Es wird berichtet von der Titanic, dass nur wenige jenem Offizier glauben wollten, der die Katastrophe entdeckt hatte. Wasser flutete das Riesenschiff durch viele Lecks nach der Kollission mit dem Eisberg. Dem Mann war klar, dass die Schäden nicht zu beheben waren. „An die Rettungsboote!“ rief man.

Die Mannschaft ließ die Boote herab, aber die meisten der Passagiere begriffen den Ernst der Lage nicht. Sie tanzten und machten Party und glaubten nicht an die Möglichkeit des Todes. Sie liegen alle auf dem Friedhof von Halifax, Nova Scotia, Kanada, also die, deren Leichen man fand. Am Ende trieben viele Rettungsboote halbleer auf dem Meer, während jene Passagiere  im kalten Meer um ihr Leben kämpften, die nicht auf die „Kassandrarufe“ gehört hatten.

Auch die Trojaner machten es

Sie hörten nicht auf die Warnungen ihrer Königstochter Kassandra. Die war dermaßen schön, dass Gott Appolon ihr zur Bekräftigung seines Werbens die Sehergabe verlieh. Das hat sie allerdings nicht glücklich gemacht. Kassandra ist uns nicht wegen ihrer Schönheit in Erinnerung, sondern wegen dieser angsteinflößenden Kassandra-Rufe.

„Vorsicht! Nein, tu‘s nicht! Das wird böse enden!“

Kassandra-Rufe sind Hinweise auf Vorzeichen drohender Gefahr. Warnungen, Appelle, die Hintern hochzunehmen und zu handeln. Die wollen wir lieber ignorieren und zwar je mehr, desto größer die Gefahr zu sein scheint, vor der gewarnt wird. Etwa riet Kassandra dazu, ihren Bruder Paris besser zu töten, weil er große Gefahr über Troja bringen werde. Man erklärte sie für verrückt. So wie später Galileo Galilei verfemt wurde, der Kopernikus‘ Annahme bestätigte, dass nämlich nicht die Sonne sich um die Erde, sondern andersrum die Erde sich um die Sonne dreht.

Zurück nach Troja, wo tatsächlich der Paris dann die schöne Helena entführte, die aber mit dem Griechen-König Menelaos verheiratet war. Mit diesem triebgesteuerten narzistischen Unsinn provozierte er den Trojanischen Krieg. Erinnern Sie sich: Der endete mit der Eroberung Trojas durch die Griechen mithilfe des „Trojanischen Pferdes“.

Kopf in den Sand stecken? Sie tun es auch

Ihr Rücken tut weh? Sie denken sicherlich: „Mal abwarten, das wird schon wieder!“ Vielleicht schlucken Sie gleich Pillen, um den Schmerz nicht zu spüren. Kopf in den Sand!

Aber morgen dann knirschen Sie mit den Zähnen. Der Rücken wird nämlich immer krummer, die ganze Körperachse wird immer schiefer, weil sich ihre Muskeln verspannen und auch versuchen, diesen einen Knackpunkt auszugleichen. Dann gehen Sie Sonntags zur Entspannung auf den Berg zum Wandern und plötzlich knackt ihr Knie und nichts geht mehr. Oder Sie chillen in der Hängematte und es verkeilt sich der Lendenwirbel und sie kommen dort nicht mehr heraus. Jetzt erst gehen Sie zum Doktor, zum Therapeuten. Wären Sie früher gegangen, hätte es nicht so weh getan.

Mut zum eigenen Weg

Donald Trump hat ihn und er zieht der Spott der ganzen Welt auf sich, wie einst Kassandra. Die Hitler-Attentäter des 20 Juli 1944 und Georg Eisler hatten ihn auch und es kostete sie das Leben.

Trump sei unberechenbar, verrückt, neurotisch, so behaupten die Alternativlosigkeits-Denker, ie niemals merken, wenn das Pferd, das sie reiten, längst tot ist. Aber es war Trump, der den südkoreanischen Diktator traf und eine Begegnung der beiden feindlichen Koreas erzwang. Er sagte so lange „Nein“ und „ich habe den größeren … Atomknopf!“, bis der Kim nachgab. Jeder Neurowissenschaftler und fortschrittliche Psychologe heutzutage wird bestätigen, dass Verblüffung das beste Mittel ist, um Menschen in Bewegung zu versetzen und Leben in die festgefahrenen Dinge zu bringen. Ein bisschen „Gaga“ braucht man dafür. Gaga siegt!

Tun Sie was Verrücktes!

Die Welt, das Leben, das Wirtschaften braucht Bewegung! Es bedarf tüchtiger Menschen, die genau hinschauen und notfalls Stop rufen. Genau dann, wenn außer Ihnen anscheinend niemand merkt, dass etwas falsch läuft.

So wie meine junge Klientin aus dem deutschen Konzern Stop rief und verlangte, das ambitionierte Projekt strukturell noch einmal  neu zu überdenken. Das gefiel einigen Machtspielern natürlich nicht.

„Dann machst Du eben nicht mehr mit, dann bist Du eben draußen!“, sagte einer trotzig.

Mut schafft Verbündete

Plötzlich verkündeten andere Projektbeteiligte, die junge Frau habe ja völlig recht, sie hätten sich das eigentlich auch schon gedacht … na, das Projekt ist nun durch die Courage meiner Klientin auf die nächsthöhere Führungsebene gehoben. Sie ist vielen durch ihren konstruktiven Mut positiv aufgefallen, ist jetzt ein wichtigerer Faktor auf der Rechnung und wird von vielen bewundert.

Mut zahlt sich aus. Zuallererst wächst das Selbstbewusstsein, dann das Gehalt.

Trauen wir uns! Und merken wir uns die alte Weisheit:

Wer immer in den Spuren der anderen marschiert, hinterlässt keine eigenen. Wer aber eigene Spuren hinterlassen will, muss vom Trampelpfad abweichen. Wer sich wie ein Pionier verhält, wird Meinungsführer, wird Marktführer, Abteilungsleiter, Mitglied der Geschäftsführung, Parteichef, Regierungschef!

Und selbst wenn Sie das nicht wollen – es geht um Selbstachtung, um unsere Ehre, unseren Bürgerstolz. Es geht um den aufrechten Gang und Selbstrespekt. Und es geht um Größe und Glück, Freude am Leben!

Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen.