Jogger, Hunde und die Wehrlosigkeit

Wehrlosigkeit ist das neue Heilig

„Gehst Du zum Weibe, dann nimm die Peitsche mit.“ Das hat der Nietzsche gesagt, der alte Knabe.

„Alter Sack“, dachte ich damals „Nazi, Zarathustra-Mist, Wille zur Macht, völlig durchgeknallt, der Typ“, dachte ich damals. Hatte ich vom Zeitgeist so gelernt.

Heute im Isartal kamen mir zwei dicke Frauen entgegen mit ebensolchen großen Hunden. Gar kein gutes Karma hing über ihnen. Nach 30 Jahren Joggerlebens weiß man das, sieht man das, spürt man das.

Ein junger Kerl mit ulkig großen Füßen überholte mich. Es überholen mich inzwischen fast alle, es ist mir egal geworden, weise wie ich bin. Und dieser junge Kerl mit den großen Füßen nahm mir den Stress des Hundeangriffs ab. Der eine dicke große Hund sprang – genau, wie ich es vorhergewusst hatte – an dem jungen Jogger-Kollegen hoch. Der wich aus. Als der Hund – „er beißt doch nicht, will doch nur spielen, ist doch nur neugierig!“ – nochmal an dem Jungen hochhopsen wollte, rief endlich die dicke Besitzerin mit scharfer Stimme „Gernot, kommmmm sofort her!“ Als ich erleichtert hinzutrabte, war das Vieh an der Leine, wo er auch vorher schon hingehört hätte, denn, so las ich inzwischen: Hunde, die nicht aufs Wort gehorchen, müssen an die Leine. Man müsste es ihnen natürlich rechtzeitig sagen, das Machtwort.

Niemals den Hund anstarren!

Jetzt haben ja aber spezielle Menschen neurotische Programme laufen. Viele Hundebesitzer betrachten das Tier als Verlängerung ihres Ego, weil sie so eine kleine neurotisch-unglückliche Persönlichkeit haben. Schwaches Selbstbewusstsein motzt sich natürlich trefflich auf mit bellenden Muskelpaketen mit fletschbaren scharfen Zähnen. „Damit musst du einfach rechnen und halt richtig reagieren!“ Ganz einfach, ne?

Da erste Mal, als mich selber so ein verlängertes Ego anfiel, es war schwarz wie ein Teufel, hatte ich den Fehler gemacht, von unseren Katzen auf Hunde zu schließen. Wenn Sie, so wie wir damals, verhaltensgestörte Katzen angedreht bekommen haben, dann merken Sie sich dies: Katzen muss man so lange anstarren, bis sie den Blick abwenden. Dann ist klar, wer Boss ist.

Das tat ich bei dem unruhigen entgegenkommenden Hund damals ebenso, worauf er einen großen Sprung machte und sich in meine Anorakjacke verbiss. „Gernot, AUSSSSS!“ brüllte der Besitzer, woraus man klar erkennt, dass nicht nur dicke Frauen ihre Probleme durch ihre Hunde ausagieren.

Ich rannte danach entsetzt zum Katzentierarzt, der mir sagte: „Wenn ein Hund spinnt, spinnt immer der Besitzer.“ Und auch dies: „Niemals einem Hund in die Augen starren!!“ Also einfach brav weggucken.

Seither gucke ich immer pseudo-cool über Hund und Mensch hinweg, insgeheim mit Herzrasen natürlich. Hätte ich keine Angst, hätte ich kein Herzrasen, klar, ich bin schuld, nicht der Hund. Ja, wo leben wir denn.

Wir leben in erlernter Hilflosigkeit. Das ist ein Phänomen, das hoch korreliert mit wenig Selbstwirksamkeitserwartung und Depression.

Wehrhaftigkeit, hä? was?

Als sich nach 2015 die Nachrichten über Vergewaltigungen durch Flüchtlinge fast jagten, sagte ein 40-jähriger Sohn einer Bekannten, er wisse gar nicht, wie er sich würde wehren können. „Seine arme junge Ehefrau!“, dachte ich.

Ich fuhr heute heim und googelte nach Waffen zur Tierabwehr: Teleskopschlagstock? Zu unhandlich. Pfefferspray? Kriegt man selber in die Augen. Elektroschocker? Da müsste man sehr nahe ran an den Hund … aber ja, aha, da gibt es eine Sache, die aussieht wie eine echte effiziente Pistole, in die man das Spray einlegt, das dann irgendwie kraftvoller hinausgeschossen wird. Aber „Vorsicht!!!“ schreibt einer in der Kundenrezension „Polizei sowie Bundeskriminalamt zählen das Teil als Anschein-Waffe, Besitz nur auf eigenem Grund und Boden erlaubt.“ Oh, wow, hierzulande sind nicht nur Schußwaffen nicht erlaubt, es sind sogar Anschein-Waffen verboten.

Wofür zahle ich meine Steuern angesichts dieser steilen Beschränkungen und Entrechtungen. Ist denn Notwehr nicht ein Menschenrecht? Und braucht man dafür etwa nicht geeignete Waffen?

Sogar in Rosa sei das Pfefferspray-Pistölchen eine Anschein-Waffe, sagen andere Käufer, …. 29mm breit und 120mm hoch, also 3 mal 12 Zentimeterchen …. kann so ein Spielzeuglein den Hund erschrecken? Oder die Besitzerin in den Herzinfarkt jagen?

Die andere Wange hinhalten

Wissen Sie, seit meiner Kindheit hasse ich die Ausgeliefertheit, weil Kinder ja wirklich Wehrlosigkeit erfahren. Und ich fühle mich nun als erwachsene steuerzahlende Joggerin diesen ungezügelten, unerzogenen, sich in Händen neurotischer Menschen befindenden armen Hunden ausgeliefert. Finden Sie übertrieben? Ist es nicht, denn auch Sie sind da vollkommen ausgeliefert.

Sie sind auch einem Einbrecher im Grunde völlig ausgeliefert und zwar aus diesem einfachen Grund: Sie dürften ihn genauowenig töten, wie Sie etwa so einen Hund töten dürften, gesetzt den Fall, Sie könnten das überhaupt.

Überlegen Sie einfach: Wer hat die größere kriminelle Entschlossenheit? Sie oder der Einbrecher? Na, eben. Und wer hat die schärferen Zähne? Der Hund. Wer hat andererseits die größere Beißhemmung? Sie. Denn das haben Sie gelernt – wenn Sie so ca. 50-60Plus sind wie ich. Sie sollten im Falle der Ohrfeige auch unbedingt noch die andere Wange hinhalten. Das haben Sie damals im Religionsunterricht gelernt. Heute wird gelehrt, man müsse die Dinge einfach nur positiv sehen, dann werde auch schon gleich alles positiv wie von alleine in die richtige Richtung gehen.

Da sehen Sie das Macht-Gefälle schon ganz klar. Und dritte Frage: Wer hat im Ernstfall die Polizei am Hals? Der Hund oder ich oder Sie? Klare Antwort: Nicht der Hund! Hätten Sie gerne Wehrlosigkeit, wenn es ernstlich um die Existenz-Frage „Er oder ich“ geht?

 

Sich zum Deppen machen

Damals im Karatekurs sagte die Trainerin folgendes: „Wenn Du Dich erfolgreich hast verteidigen können, wird die Polizei kommen, denn dann hast Du entweder jemanden umgebracht oder verletzt, jedenfalls ist der Angreifer außer Gefecht gebracht. Du wirst Probleme bekommen, Du wirst Dich rechtfertigen müssen.“ Aber ist das nicht der Zweck einer Notwehr, dass der Angreifer außer Gefecht kommt?

Man müsse daher sich, sagte sie, auf einen Panik-Notstand berufen und sich am besten an gar nicht mehr erinnern können aus dem Grunde der Panik. Dann ist man, sagt der §21 des StGBs, unzurechnungsfähig und darf nicht bestraft werden. Mmmh, naja, schön blöd und ungerecht. Finde ich. Wieso muss bestraft werden, wer sich wehrt?

Sachstand also ist aber dieser: In Deutschland im 21. Jahrhundert ist es so, dass niemand unter vernunftbegabten Erwachsenen sich effizient verteidigen darf, noch nicht mal halbwegs mit einer Anschein-Waffe. Komisch finde ich nun schon, dass angesichts dieser supra-pazifistischen Lage alle danach rufen, man solle Panzer und Geschosse in ein kleines Land schicken, um damit dessen Angreifer, ein kontinentähnlich großes anderes Land, zu verjagen. Oder meinen die damit auch Anschein-Waffen? Ich verstehe es nicht. Und dabei haben wir als Staat selber auch gar keine richtige Notwehr-Truppen, weil die Wehrpflicht abgeschafft wurde.

Weil Wehrpflicht Kriegsdienst sei

Mir fällt eben wieder ein, wie das damals vor 30 Jahren war, als mein kleiner Sohn sein Plastik-Ritterschwert mit in den Kindergarten nahm. Das sei verboten, das sei Kriegsspielzeug, wurden wir Eltern belehrt. Und er musste traurig wieder unbewaffnet dorthin gehen und basteln, statt mit den anderen kleinen Kumpels Ritterspiele zu machen. So wie sie jetzt grad wieder im bayerischen Kaltenberg stattfinden. Mich wundert sehr, dass die noch nicht verboten wurden. Ist das nicht Volksverhetzung und Aufruf zu Mord und Totschlag und das ganz ohne Hundeangriff?

Einmal erzählte ein Manager-Klient, sein Vater habe ihm für den Kindergarten mit viel Mühe ein tolles Schwertlein aus Pappe gebastelt. Um nicht den Unmut der Kindergärtnerinnen mit einer „Anscheinwaffe“ aus Plastik zu erwecken.

„Aber das Pappzeug hält doch gar nichts aus!“, sagte ich. „Das war ja da Furchtbare!“, antwortete der Mann. „Mein Pappschwert knickt sofort ab, es war grauenhaft und ich schämte mich übel.“ Zuhause allerdings tat er obercool (wie ich beim Anblick von Hund und Mensch), denn er wollte keineswegs den Papa verletzen, der sich doch so viel Mühe gegeben habe, wie die Mama immer wieder betonte zum Trost.

Wieso wollte sie den Papa trösten eigentlich? War der schwach? Weil der Opa den Krieg verloren hatte, meinte sie das?

Eine bessere Synonymgeschichte für das Phänomen „Entmannung“ gibt es nicht, finde ich.

 

Angst vor Gewalt erzeugt Angst und Gewalt

Was ist eigentlich diese Ideologie der Wehrlosigkeit anderes, als verkappte Angst vor Gewalt? Und dabei wissen wir doch aus der Resonanzlehre, dass wir energetisch genau das produzieren und anziehen, was wir ausstrahlen. Das wissen heute alle, ich fürchte aber, viele verstehen es nicht.

Welche Frau wird eher überfallen, was meinen Sie: Eine, die gut sichtbar einen Revolver umhängen hätte? Oder eine, die angstvoll und mit hochgezogenen Schultern durch die dunklen Straßen huschte im Vertrauen einzig auf ihr Smartphone, mit dem sie schließlich 110 wählen wird können – sofern der Akku grad nicht leer ist.

„Naja, sie muss alles einfach positiv sehen, das Beste annehmen!“ Ich finde, das ist Vogel-Strauß-Politik. Es ist eine Ideologie gewachsen des Schönredens, des Heiligtuns, des Unerwachsenseins. Vielleicht hat das Ausklammern des Bösen zu tun mit Angst vor dem Tod?

So wie Kinder ja meinen, wenn sie die Hände vor die Augen halten und nichts mehr sehen, würden sie selber nicht gesehen?

 

Wir hier haben uns alle lieb

Ist Wehrlosigkeit Infantilisierung? Entwürdigt, wer Sie wehrlos macht, Sie nicht zum Knecht und Leibeigenen, wie das im Mittelalter war, als nur der Adel Waffen tragen durfte? Aha! Daher also das „Gewaltmonopol des Staates“, was heute alle als das Fundament eines Rechtsstaates ansehen – als wären die USA kein Rechtstaat. „Wir geben unsere Waffe niemals aus der Hand, selbst, wenn wir uns damit ins eigene Bein schießen!“, hörte ich kürzlich einen Amerikaner sagen. Das ist schließlich jedermanns eigene Sache, verantwortungsvoll zu sein, oder sich ins Bein zu schießen. Finde ich, oder wie meinen Sie?

Verantwortung

Verantwortung braucht Freiheit, Raum und Frischluft! Aber wir, die Nachkommen der Nesthocker und Nicht-Ausgewanderten im 19. Jahrhundert, wir haben uns alle lieb. Weil wir Angst davor haben, was passieren könnte, wären wir ehrlich. Das glaube ich nun. Wir weichen lieber den Dingen aus.

Deswegen tun wir lieber so obercool über die gefletschten Hundezähne hinweggucken. Wir tun so, als wären wir gelassen und stark und die Welt eine Selbsthilfe-Gruppe für Nächstenliebe.

Ehrlich gesagt: Mir wäre Freiheit in Selbst-Verantwortung lieber. Mir wäre lieber zu wissen, ich könnte dem Hund – wie so Wrestling-Leute das können – einfach das Genick brechen, sobald er mich angreift, ohne dass ich hinterher „Paragraph 21!!!“ rufen muss. Oder ich könnte ihm mit einer vollkommen echten und nicht bloß scheinbaren Feuer-Waffe schon aus sicherer Entfernung heraus eins reinhauen, so dass er seine Wunden lecken müsste, anstatt mich zu beißen.

Glauben Sie auch, es gäbe sehr schnell nur noch angeleinte Hunde? Und Freude und Freiheit für Jogger und Spaziergänger!

Und wie wollen Sie leben?

Wehrlosigkeit erzeugt Angst und macht schwach. Angst vor Gewalt erzeugt Angst und Gewalt.
Stärke generiert Stärke und schafft Sicherheit.

Oder warum, meinen Sie, haben alle Big-Boss-Politiker feuer-bewaffnete Sicherheitsleute um sich? So dass niemand ihnen mal schnell ein bisschen Pfeffer ins Gesicht sprühen kann. Auch bei größter erwiesener Inkompetenz nicht. So dass die ihre Inkompetenz vermutlich gar nicht kennen, weil das erwiesen ist: Inkompentente halten sich für grandios.

Das heißt Dunning-Kruger-Effekt, nebenbei gesagt.

Übrigens – wegen der Heiligkeit – ich WEISS, dass es harmlose freundliche Hunde und -Besitzer gibt. Nein, die Welt ist gar nicht nur schlecht. Ich glaube an das Gute in Menschen. Und eben drum meine ich, muss man hin und wieder Altes in Fragen stellen und neu beantworten. Damit sich das Gute entwickeln kann.

In welcher Gesellschaft würden Sie gerne leben?

Oder geht es Ihnen so krass obercool vollfett gut, dass Ihnen die Res Publica schnurzpiepegal ist?

Aha, dann gehören Sie nicht zu den 55% Nichtwählern von neulich in NRW.

Nein! Nix ist Ihnen schnurzpiepegal, aber Sie wissen nicht, was tun?

Dann fangen Sie mit Zielen an: Was ärgert Sie am Leben – wie müsste es genau richtig sein?

Und: Welche 10-100 Punkte würden Sie, wären Sie Machthaber, sofort umsetzen?

 

Weiterführende Links

Warum Fluchen gesund ist

Ordnung schaffen: Warum jedes Land Frauen und Männer braucht

Vergessen wir endlich German Angst?

Manchmal braucht es nur ein wenig Mut

 

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