Was bedeutet hochbegabt

 

Plem-Plem oder hochbegabt?

Da kommt ein völlig verschüchtertes Mädchen ins Coaching. Sie wirkt auf mich beim ersten Telefonat wirr, unorganisiert, wunderlich. Mein Eindruck ändert sich nach wenigen Minuten. Sie äußert wie aus der Pistole geschossen originelle klare Gedanken und Antworten. Auch sagt sie: „Ich hab schon gedacht, ich sei verrückt.“ Das ist sie nicht.

Was bedeutet hochbegabt: Ja, es kann bedeuten, dass man für wirr, unorganisiert und wunderlich gehalten wird. Es kann bedeuten, dass man sogar für verrückt erklärt wird, wenn man keine beschützende, respektvolle, anerkennende Erziehung und kindliche Lebenswelt erleben durfte.

Die junge Frau ist von ihren Eltern und einem willfährigen Notarzt vor zwei Tagen in die Psychiatrie eingeliefert worden, weil sie – wie ich vermute – ihren Eltern klarmachen wollte, warum sie beschlossen hatte, aus dem Elternhaus auszuziehen, um an einem friedlichen Ort zu lernen und das Abitur nachzuholen. Die Eltern betrachten das anscheinend als Bedrohung, anstatt ihre Tochter – wie es sich gehören würde – bei dem ehrgeizigen Vorhaben zu unterstützen.

Was bedeutet hochbegabt für Hochbegabte

Man ist anders als der Mainstream. Hochbegabte denken schneller, bleiben in der Schule oft in ihren Gedanken hängen, unerlöst, weil sie ihre Fragen nicht stellen können und wenn doch, dann bekommen sie oft keine befriedigenden Antworten.

Hochbegabte stellen vieles in Frage, weil sie oft radikale Denker und Lösungssucher sind, so dass sie – in der glücklichen Folge – auch radikal neue, kreative Lösungen finden. Ob Hochbegabte ihre Talente entwickeln können, hängt in erster Linie davon ab, dass sie das Glück einer geborgenen Kindheit bei liebevollen aufgeschlossenen selbstsicheren Eltern erleben dürfen. Wenn sie dieses Glück nicht haben, dann halten Hochbegabte sich meistens selber für wirr, unorganisiert und wunderlich bis plem-plem. Deswegen sind leider gar nicht alle Hochbegabten auch Überflieger.

Wir sind die Lösung und nicht das Problem!

Hochbegabte halten sich oft für das Problem – so auch diese junge Frau, die in der Familie mehr und mehr in die Rolle des psychisch gestörten Sorgenkindes gedrängt worden war.

Ich habe schon viel mit Hochbegabten gearbeitet. Ich habe schon viel darüber geschrieben, auch über meine eigene Biographie als unerkannte Hochbegabte und schulische Underachieverin – jedoch ich habe noch niemals eine Vita kennengelernt, in der dermaßen dramatische Erziehungsfehler passiert sind und ein derartiger verheerender Schaden entstanden ist durch komplett inkompetente Eltern, durch eine vermutlich psychopathische Mutter.

Im Laufe des Coachings lernte die junge Klientin mehr und mehr Selbstbewusstsein. Mehr und mehr begriff sie: „Ich bin nicht das Problem, höchstens meine Umwelt ist das Problem. Ich kann die Lösung sein!“

Was bedeutet hochbegabt: Man muss Talent schmieden!

Wie lernt man Selbstbewusstsein, wenn man fast gar kein Selbstbewusstsein hat?

Man nennt das offiziell „Ressourcenarbeit„, was wir viele Monate lang zusammen machten. Wir haben das Leben der jungen Frau durchkämmt, ihre verkorkste Schullaufbahn daraufhin untersucht, was sie eigentlich gut kann, wo sie eigentlich Talent hat, wo sie viel mehr Leistung hätte zeigen wollen und können, hätte man ihr mehr Mut wachsen lassen, welcher Selbstwirksamkeitserwartung erzeugt, welche wir Menschen brauchen, um unseren Weg erfolgreich zu gehen. Wir brauchen Ich-Stärke, um nach der Kindheit flügge zu werden.

Im Coaching hat meine hocbegabte und überaus sensible Klientin einen Roman veröffentlicht, sie hat endlich die Führerscheinprüfung geschafft und – das Wichtigste – sie ist im Glauben an sich so weit gekommen, dass sie einen IQ-Test erfolgreich absolviert hat. Das heißt: Ihre Hochbegabung wurde nun attestiert. Sie ist blitzschnell im Gehirn, blitzschnell im Erfassen von Situationen, sie findet witzige Lösungen. Sie hat einen sehr originellen Kopf – es sei denn, man macht ihr Angst.

Aktuell ist es so, dass ich als ihr Coach fast verzweifelt bin und weinen möchte bei dem Gedanken, dass man nun diese junge Frau mit Psychopharmaka ruhigstellt und auf die Mainstream-Linie bringen will. Sie braucht nun jede Menge Wunder. Vielleicht können Sie beitragen, weil Sie juristisch versiert sind oder solche Juristen kennen und empfehlen können?

Wir können alle mehr Wunder bewirken, als wir denken! Sobald wir nur das Denken anfangen.