Helfersyndrom

Was meint Helfersyndrom

Lass mich Dein Krückstock sein! Das kann Helfersyndrom bedeuten. Menschen tun so, als liebten sie sich, in Wirklichkeit profitieren sie von den gegenseitigen Schwächen. Oder: ich profiliere mich, mache mich groß, indem ich den anderen zum hilfebedürftigen Menschen degradiere, indem ich großmütig und gratis helfe – damit er klein bleibt und ich mich groß fühle.

Das ist Helfersyndrom.

Betroffene haben in der Kindheit gelernt, sich von der Anerkennung durch andere abhängig zu machen. Sie halten sich nur dann für liebenswert und wertvoll, wenn andere ihnen dankbar sind und sie für diese wichtig sind. Sie fühlen sich in der Rolle des Märtyrers wohl, der sich für andere aufopfert. Die Bilanz zwischen Geben und Nehmen stimmt nicht. Zwanghafte Helfer nehmen ihrerseits keine Hilfe an. Das Helfen zeigt Wichtigkeit und „Oben-Stehen“ an. Das erniedrigt gleichzeitig die Objekte des Helfens, und so entsteht eine Abhängigkeitsbeziehung der Bedürftigkeit.

Helfersyndrom lebt oft in der Partnerschaft

Hermann und Ophelia galten als Traumpaar, jetzt haben auch sie sich getrennt. Der Sohn zog zum Vater, Ophelia hat gleich wieder geheiratet. Mit viel Große-Liebe-Tammtamm, damit alle es auch sehen, dass es an ihr nicht gelegen hat.

Ich schrieb Hermann, das sei jetzt die Chance, sich freizuschwimmen. Er antwortete, „oh Mannoh, das ist eine gute Idee, bisher war ich eher immer der Rettungsschwimmer“.

Helfersyndrom heißt: Selbstaufwertung geschieht dadurch, dass man anderen, den Schwächeren, hilft, nicht abzusaufen. Der Begriff Rettungsschwimmer ist genial.

Wobei gar nicht gewiss ist, dass die nicht schwimmen können! Manche tun nur so, als seien sie stark die einen, als seien sie schwach, die anderen.

Rettungsschwimmer und Nicht-Schwimmer gehören irgendwie zusammen, das ideale Paar gewissermaßen. Und aber spätestens, wenn der Nicht-Schwimmer abzusaufen droht und das dann dem Rettungsschwimmer ankreidet, ist die Liebe vorbei. Oder auch dann, wenn der Rettungsschwimmer keine Luft mehr kriegt, weil der vermeintlich Ertrinkenden ihm die Luft abschnürt. Oder wenn der anscheinend Ertrinkende plötzlich viel schneller schwimmt, als der vermeintliche Rettungsschwimmer. Wenn er dem, wie die Ophelia der Geschichte, einfach wegschwimmt.

Leute, lernt Freischwimmen! Und dann sucht Euch für die Liebe Freischwimmer. Das ist die einzige kreative Lösung.

Wie kommen Sie aus der Helfer-Rolle raus?

Das Helfersyndrom findet sich tatsächlich oft in sozialen Berufen: Erzieher, Lehrer, Pflegekräfte, aber auch Psychologen und Ärzte. Häufig betroffen sind Angehörige eher schlecht bezahlter „sozialen“ Tätigkeiten. Das Helfen dient der Selbsterhöhung, die gewissermaßen Lohnersatz ist.

Wenn Sie eine soziale Ader haben, dann prüfen Sie sich, warum Sie das, was sie helfend tun, wirklich tun. Vielleicht sind Sie diejenige Person, die am meisten profitiert davon, dass andere hilfebedürftig wirken. Denken Sie daran, dass es auch andere Formen gibt, den eigenen Wert zu erkennen.

Meine Meinung ist: Wer anderen helfen will, muss erst sich selber geholfen haben, ein starker, selbstbewusster Mensch zu sein. Es ist wie in der Liebe: Nur wer sich selber liebt, kann ernstlich auch andere lieben.

Weiterführender Link: Persönlichkeitsentwicklung

Und darum helfen Ziele gegen Angst und schützen vor dem Helfersyndrom.

Und ein paar Gedanken über das Hilfeannehmen.

Und wie man Lebenskrisen in Chancen wandelt.