Debugging aktivieren

Debugging für Lebenssicherheit

Früher, als die Computer noch hausgroß waren, passierte es zuweilen trotz aller Abschottungsmaßnahmen, dass sich Insekten in die Gebäude einschmuggelten und dann als Störfaktoren in den Röhren hockten: „Bugs“, auf deutsch „Käfer“. Deswegen sprechen Software-Spezialisten vom „Debugging“, wenn sie Fehler auf Motherboards wegmachen.

Die „Bugs“ bewirken Kurzschlüsse. Die Folge von Kurzschlüssen ist, dass das System nicht mehr rundläuft, sondern wunderliche Reaktionen und Störfeuer produziert.

Ein Bug? Nehmen wir mal ein aktuelles Beispiel

Nehmen wir den eben zurückgetretenen österreichischen Vizekanzler Strache:

Der ist ja sicherlich nicht dumm, obwohl er sich mehr als dumm benommen hat.

Aber er ist ein klassischer Parvenü, hat sich von ziemlich weit unten auf der sozialen Leiter nach ganz weit oben hinaufgearbeitet. Und wie viele der sozialen Aufsteiger leidet er – wie jetzt sehr klar wurde durch das hinterhältig geschossene Video – an eitler alberner Großmannsucht. Das heißt: Sein Selbstbewusstsein bedarf der beständigen Anfeuerung von außen und steht nicht stabil von alleine aus sich selbst heraus. Wegen dieses wackeligen Selbstbewusstseins wurde Strache jetzt Opfer einer bösen Intrige. Er tappte in die Falle und offenbarte bei illegitimen Videoaufnahmen eines Gesprächs ein miserables Politikverständnis, und nun gibt es in Österreich vorgezogene Neuwahlen. Strache hat es weit gebracht als ehemals vaterlos aufgewachsener Hauptschüler und hat seine Karriere mit großer Energie immer weiter hochgeschraubt. Sein Selbstbewusstsein ist aber offenbar nicht mitgewachsen. Und da sitzt der „Bug“! Herr Strache hat nun in der ziemlich großen Katastrophe die Chance, das Debugging zu aktivieren. Ich wünsche ihm, dass er das erkennt und nutzt.

Weg mit den Käfern auf den Festplatten!

Ich liebe das Bild vom Debuggen, weil es den Funktionalzusammenhang rein sachlich ohne Wertung klarmacht: Ein Mensch hängt fest, fühlt sich in Mustern gefangen, reagiert stereotyp, kommt nicht voran, versteht sich selber nicht. Und das immer wieder und obwohl dieser Mensch verstandesmäßig genau weiß, dass er/sie es eigentlich anders machen müsste und auch wollte. Aber das weiß man erst hinterher, wenn man sich dann die Vorwürfe macht, weil man schon wieder speziell reagierte und sich nun ganz schlecht fühlt.

Vom Blockadenlösen zum Debugging

Früher sprach man beim Coaching vom Blockadenlösen. Ich habe das selbstverständlich auch getan, zumal ich eine besonders gute und entschlossene Blockadenlöserin bin. Aber der Begriff hat was Moralisierendes, oder? „Lassen Sie uns das Debugging aktivieren!“ – das hört sich schlicht viel leichter an. Es sitzt ein Käfer auf der Festplatte Gehirn, da ist eine Fehlschaltung passiert in der Kindheit, die korrigieren wir.

So eine Fehlschaltung des etwa in der Kindheit von unfähigen Eltern geschlagenen, beschimpften, schlecht gepflegten Menschen bewirkt im Erwachsenenleben, dass dieser Mensch immer wieder wie magisch gezogen an falsche Liebes- und Geschäftspartner gerät. Beispielsweise.

Was da wirkt, könnte man sagen, ist eine Blockade mit Namen Liebes-Bedürftigkeit. Die Positive Psychologie hat viele Tools auf Lager, solche Blockaden zu lösen, weil sie lösungsorientiert ansetzt. Aber: Blockade! Wie hört sich das denn an! Das hört sich ja schon nach Katastrophe an und macht einem Angst. Nein, wir nennen das jetzt anders.

Debugging aktivieren!

„Debugging aktivieren“, das klingt smart und leichthändig. Da ist eine Fehlschaltung entstanden und die wollen wir jetzt mit sehr, sehr feinen Schraubenziehern und schlauen intellektuellen Lötkolben wieder richten.

Was meinen Sie dazu? Also ich finde, das hört sich nach Minimalinvasivität an und nach Virtuosität, leichthändig kann Freiheit entstehen. Genau so ist es. Wir müssen nicht Steine und Schlammlawinen wegschaufeln, wir müssen einfach debugging aktivieren! Genau so ist es. Und wie wichtig das ist, das weiß jeder Software-Nerd. Ohne Debugging gibts nur Stillstand.

 

So funktioniert Debugging beim Coaching

Denken wir uns einen Mann mittleren Alters, beruflich sehr erfolgreich, Akademiker, tätig als Jurist in einer Behörde. Dieser Mann, ein Klient von mir, hat das Gefühl, sich nicht durchsetzen zu können, sobald es um persönliche Fragen geht. Dann verstummt er, obwohl in ihm der Zorn tobt, muss er schweigen und der Zorn schneidet ihm buchstänlich die Luft ab.

Die Käfer, die Bugs, werden immer in der Kindheit in unsere Gehirnfestplatten geschleust. Das ist ja die Zeit, in der wir ganz offene Systeme sind, begierig zu lernen, ziemlich ausgeliefert an die Leute, die die Aufgabe haben, das zarte Lebewesen, das wir waren, mit Liebe und Begeisterung auf seine eigenen Beine zu stellen.

Es gibt aber viele Kindheiten, die nicht elterliche Liebe und Begeisterung prägte, sondern Bösartigkeit, Neurotizismus, Ignoranz und Gleichgültigkeit. All das hat natürlich Wurzeln. Wir beim Coaching wollen aber nicht das familiäre Wurzelgeflecht ergründen, das ja oft generationenweit zurückreicht. Nein, wir wollen die Käfer entfernen! Und das machen wir mit genau der tatkräftigen Liebe, an der es in vielen Kindheiten faktisch fehlt. Wir machen es so:

Erkenntnis und Reframing

Analyse, Erkenntnis und Benennung des „Bugs“, Extraktion sowie Aufbauen richtiger Schaltungen durch ein zielorientiertes Reframing: Das ist das, was wir beim Coaching machen. Ich gebe zu, das hört sich für Sie vermutlich abstrakt an. Und, ja, Sie haben recht: Erfassen kann das nur, wer es erlebt hat. Ich versuche es so konkret wie möglich zu beschreiben:

Mein Klient ist ein resilienter Mann. Er hat enorme Charakter-Stärke erworben, weil er einen narzistischen, unberechenbaren und prügelnden Vater überlebt hat. Auch die jammernde Mutter, die den Vater schlechtredete, anstatt ihn zu bremsen, und die sich zum Entsetzen des Kindes immer den Tod wünschte – „ach es wäre besser für alle, wenn ich nicht mehr wäre“ -, hat er irgendwie und letztlich doch heil überstanden.

Er hat seine Überlebensstrategien entwickelt, und zu diesen gehörte es, zu schweigen und die Eltern zu schützen, der Welt vorzumachen, es sei eine heile Familie, in der er lebe. Er hat versucht das Unbegreifliche rational zu erfassen und dabei eine beträchtliche Intelligenz ausgebildet.

Solche Kinder erfinden für die blauen Flecken irgendwelche halbwegs plausiblen Erklärungen, solche Kinder verschließen das Herz und kommen nicht auf die Idee, bei Lehrern, Verwandten, Eltern von Schulfreunden etwa um Hilfe zu bitten. Also bekommen sie auch keine. Also müssen sie ganz auf sich alleine gestellt sich selber helfen. Das macht starke Persönlichkeit und es macht aber emotional verletzlich und angreifbar.

Das antrainierte Stillschweigen war der „Bug“.

Die „Bugs“ verschlingen ungeheuer viel Energie, die frei wird für beglückende Lebensgestaltung, sobald der Bug entdeckt ist. Extrahiert wird so ein „Bug“, indem Menschen emotionales und intellektuelles Verständnis für sich selbst bekommen. Meistens wird dann auch unterdrückte Wut frei und meist fließen auch Tränen. Trauer und Wut, machtvolle Gefühlsenergien, die wir als Motoren der Lebensneugestaltung brauchen und nutzen. Weinen erleichtert (sofern es nicht selber eine Altstrategie ist) und Wut tut gut, sofern sie nicht notorisch dissoziales Verhalten generiert.

Von der Lebensrettung zur Lebensverglückung

Mein Klient erkannte schlagartig und mit starker emotionaler Rührung, dass sein Verstummen Teil einer großen Lebensrettungs-Strategie aus der Kindheit gewesen war.

Sie, liebe Leser, die noch niemals ein Coaching erlebt haben, könnten sich jetzt überlegen, ob nicht Ihre Tendenz zur Unterwerfung, Ihr hoher Alkoholkonsum, das widersinnige Rauchen, das Kuschen und Wegducken – und egal, was Sie sich immer wieder vorwerfen – ob das alles nicht ebenfalls Teile kindlicher Überlebenstrategien sein könnten. Mal rein hypothetisch betrachtet. Versuchen Sie es!

Mein Klient, der Jurist, sagte nach unserem sehr ergreifenden Debugging: „Jetzt kann ich die Energie, die die Lebensrettung verschlungen hat, anders einsetzen! Mein Leben ist ja bereits gerettet! Jetzt geht’s um mein Glück!“

Ist das nicht wunderbar? „Yes, I will“ heißt das und heißt auch „Yes I can!“

Der Mann wird jetzt vielleicht gelegentlich auf den Tisch hauen, vielleicht mal Leute anschreien, vielleicht wird er um Hilfe bitten, Freunde fragen, mehr Freunde gewinnen, er wird lauter und öfter lachen, er wird sich vermutlich auch unkonventionelles Benehmen trauen, weil er eben ein temperamentvoller und willensstarker Mensch ist. Er wird mehr und mehr erstarken und nichts und niemanden mehr fürchten.

Der Herr Strache in Wien würde einfach nochmal neu durchstarten und dann nicht mehr über die zu großen Schuhe an den Füßen stolpern.

Wenn Sie mehr wissen wollen, schreiben Sie mir doch eine Mail, ich antworte gerne.

Und wenn Sie anfangen wollen, freundliche Blicke auf Ihre Kindheit zu werfen, dann empfehle ich Ihnen das Resilienz-Buch von Meg Jay.