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Frankfurter Buchmesse

Das große Fressen: Frankfurter Buchmesse

Bisschen Feuilleton von Coach Dr. Berle.

Nein, dieses Jahr gehe ich nicht zur Frankfurter Buchmesse, weil ich dieses Jahr kein neues Buch auf den Tisch lege. Das war voriges Jahr anders. Mir ist nichts eingefallen, was von mir geschrieben werden wollte. Ich habe auch in Erinnerung aus den vergangenen Jahren: die Fankfurter Buch ist ein riesen Happening für eine Masse von Zwergen. Der Buchmarkt ist durchgeknallter denn je, es tun einem die Füße weh, die Augen tränen und Abends im Hotel ist man heiser. Und dann weiß jeder um die Inflation: Andauernd werden tausende von Büchern neu erdacht, neu geschrieben, prostituieren sich Autoren gegenüber Verlagslektoren, fühlen Verlagslektoren ihre Macht, nehmen so ein Textlein an, schrauben daran herum. Manchmal erkennt der Autor seinen Text gar nicht mehr. Bei meinem Buch über die Pflegekatastrophe und die verfehlte Möglichkeit, Menschen zum Erblühen zu bringen, verweigerte ein Lektor gar den Job, weil er, wie er es sah, andere Erfahrungen gemacht hatte, als die von mir beschriebenen.

Durchschnorren

Das müssen sich die meisten Autoren, weil nur wenige den großen Erfolg hinkriegen. Tja, man weiß nicht warum. Mein Coachingbuch gefiel den meisten Buchhändlern nicht, weil es leicht geklaut werden kann (es passt in jede Hosentasche). Das Pflegebuch scheint den Menschen Angst zu machen. Irgendwas mit „Schluss, sag ich!“ scheint ungut zu sein. Und die Alten in den Windeln auf den Pflegestühlen, die sind ja auch angsteinflößend. Mit denen kann niemand mehr investieren und sie riechen schlecht. Also aber die Buchmesse in Frankfurt ist schick:

Flut an Veranstaltungen

Und eine große, riesengroße Menge an Gelegenheiten, sich durchzufuttern. „Wir verraten  Ihnen, wie Sie sich im Dienste der Literatur durchschnorren“, schreibt die FAZ über die Frankfurter Buchmesse dieses Jahr. Unter anderem. Es ist wie die Fußball-WM, wo man auch denken könnte, es gäbe sonst kein anderes wichtiges Thema auf der Welt. Die Themen machen aber keinen Urlaub. Die Flüchtlinge strömen weiter nach Deutschland, wo es inzwischen regnet, so dass das Leben in den Notunterkünften mit dem Gratis-WLAN noch unangenehmer werden dürfte. Aber die Bundesregierung hat anscheinend keinen Plan, oder höchstens einen geheimen Plan, weil niemand einen Autor hinsetzt an den Behördenschreibtisch, um mal endlich ein Einwanderungsgesetz zusammenzuschreiben aus den vielen Entwürfen, die es gibt. Über die Kriege in der Welt, sagen wir lieber nix, aber die machen auch nicht Herbstferien, das ist eh klar.

Ziele statt Brot und Spiele

Panem et Circenses, maulte der Herr Juvenal aus dem römischen Reich, würden eingesetzt, um das Volk einzulullen und Aufständen gegen die Regierung zu vorzubeugen. Bestimmte Themen haben niemals Urlaub! Und der Hanser-Verlag hat dieses Jahr einen Heizpilz im Mantis Roofgarden, so dass die Leute bei frischer Luft Häppchen fassen können. Na, so was aber auch!

Was will ich sagen über die Ziele?

Ja, eh klar: Brot und Spiele drehen sich im Kreis. Verkleistern das Hirn. So kann man schon sein Leben verplempern, stimmt. Ziele dagegen geben Richtung. Gestern hörte ich einen Coach-Kollegen einen Vortrag halten über dasselbe Thema: Er forderte zu Zielen auf. Er appellierte geradezu: Leute, setzt Euch Ziele. Und er beklagte, die meisten Leute liebten immer noch ihre Probleme mehr, als die Ziele. Warum das? Weil Ziele den Menschen in Bewegung bringen, Veränderungsbewegung. Wir aber haben alle eine eingebaute Angst vor der Veränderung. Sicherheits-Sehnsucht, um nicht zu sagen: Sicherheits-Sucht. „Ich würde ja loslassen, wenn ich wüsste, woran ich mich dann festhalten könnte!“ sagte mal eine Klientin sehr treffend.

#merkelmussweg statt Frankfurter Buchmesse

Die Internet-Foren, die Leserkommentar-Spalten der Zeitungen – platzend voll mit Wutausbrüchen über eine tatenlose Regierung. Wer hat von all den Schimpfern eigentlich ein Ziel? Geschweige denn eine Vision vom neuen Deutschland – also neu im Sinne von „ohne Frau #merkelmussweg“. Ach ja, man kann in Deprimierung verfallen. Oder sich eben auf der Frankfurter Buchmesse satt- und hindurchfressen wie eben ein echter Bücherwurm. Smiley! Klar.

Elektrisierend – Coaching-Übung

Gegen die Deprimiertheit brachte der Coach-Kollege gestern eine nette kleine Gedankenübung, die ich zum Lachen gut finde. Nämlich dies: „Was haben Sie in den letzten 3 Monaten grottenfalsch gemacht?“ Los, geben Sie es zu!! Trauen Sie sich doch! Dass Sie auch manchmal doof sind oder sich doof finden, in den Hintern beißen mögen … also ich:

Nach dem Einzug in die Wohnung ging es ans Verteilen der Lampen. Diese eine Wandlampe … ach, komm, dass konnte ich doch selber mit meiner Leiter und dem kleinen Schraubenzieherchen. Zumal die Bohrlöcher bereits passend da waren noch vom Vormieter – ist doch schick oder? Tja, ich kriegte eins gewischt! Aber holla!

Es lebe der Fehler!

Jetzt bin ich so arg schon 50Plus! Noch nie im Leben hab ich einen Schlag gekriegt. Und plötzlich hat es aus dem Massedraht durch meinen Finger in die Leiter und vermutlich weiter nach unten zum Augenarzt hindurchgeschossen! Heiliger BimmBamm, so sagt man unter Schwaben, wenn man so was überlebt hat! Wie so eine Deppin habe ich mich benommen. Aber ich hatte Schuhe mit Gummi an der Sohle an! Gerettet!! Mir war bleich und schlecht … aber gerettet!! Was soll ich sagen: Nie, nie wieder werde ich so einen grün-gelben Draht anfassen, das ist klar. Aber … ganz ehrlich: Ich fühlte mich elektrisiert, glasklar im Kopf, das war kein schlechtes Gefühl. Und nachdem ich durchgeschnauft hatte, musste ich fürchterlich lachen. Also und Sie? Was haben Sie angestellt?

Fangen Sie mal Ihre Konferenzen mit dieser kleinen Übung an und sehen Sie, was passiert! Ja, es wird anders sein als sonst, und es wird viel besser sein!

Mehr vom Coach auf Youtube: Lifekicks.