Babyboomer ohne Liebe
Kapitel in diesem Beitrag:
Wie Leben zum Kampf wird
Die Babyboomer-Kindheit war nicht leicht:
Babyboomer nennt man die in den 1950er und 60er Jahren geborenen Kinder. Sie waren viele. Es war, als wolle die Natur die enormen Verluste an Menschenleben im Zweiten Weltkrieg wieder ausgleichen.
Es ist eine merkwürdige und spezielle Art von Menschen: Aufgewachsen im Nachkrieg und Wirtschaftswunder, gezeugt von Eltern, die furchtbares Leid und Vergewaltigung erlebten und selten über diese Leiderfahrungen sprachen. Eigentlich nie. Auch über ihre erstaunliche Überlebensleistung sprachen sie nie. Sie mussten sich verhärten gegen sich und die Kinder, weil sie weiterleben wollten und um das zerstörte Land wieder aufzubauen.
Eine Babyboomer-Kindheit war nicht leicht: Man kann sagen „zwischen Ordnung und Ohrfeigen“, zwischen Moral und Aufbruch. Man musste parieren, gleichzeitig ergaben sich unerhörte Entwicklungschancen in der sich neu aufbauenden Nachkriegsgesellschaft. Babyboomer wurden hyperstreng erzogen, von neurotischen Vätern, die Krieg und Gefangschaften überlebt hatten, hart angegangen.
Ich selber bin Babyboomerin und habe den Eindruck, eine paramilitärische Kindheit überlebt zu haben. Das hat mich hart gemacht, leistungsstark, kämpferisch. Mein Leben lang bemühe ich mich, die Person zu sein, die ich eigentlich bin: Liebevoll, empathisch, voller Lebensfreude und Optimismus.
Ich bin sehr berührt von dem folgenden Gedicht, das zeigt, wie man Kinder eigentlich erziehen sollte.
Das schöne Erziehungsgedicht
[Von Dorothy Law Nolte. Andere sagen, es stamme aus Tibet]
Wenn ein Kind kritisiert wird, lernt es, zu verurteilen.
Wenn ein Kind angefeindet wird, lernt es, zu kämpfen.
Wenn ein Kind verspottet wird, lernt es, schüchtern zu sein.
Wenn ein Kind beschämt wird, lernt es, sich schuldig zu fühlen.
Wenn ein Kind verstanden und toleriert wird, lernt es, geduldig zu sein.
Wenn ein Kind ermutigt wird, lernt es, sich selbst zu vertrauen.
Wenn ein Kind gelobt wird, lernt es, sich selbst zu schätzen.
Wenn ein Kind gerecht behandelt wird, lernt es, gerecht zu sein.
Wenn ein Kind geborgen lebt, lernt es, zu vertrauen.
Wenn ein Kind anerkannt wird, lernt es, sich selbst zu mögen.
Wenn ein Kind in Freundschaft angenommen wird,
lernt es, in der Welt Liebe zu finden.
Das Kind müsse in Ehrfurcht empfangen, in Liebe erzogen und in die Freiheit entlassen werden, formulierte es auch sehr berührend Rudolf Steiner, Philosoph und Begründer der Waldorfpädagogik.
Die Kindheit der Babyboomer …
… war zumeist hart. Es gab gewiss Ausnahmen.
In der Breite aber lässt sich sagen, Kindheit in den 1950er und 60er Jahren war geprägt
- durch die Nazi-Erziehungslehre nach Johanna Haarer, die auflagenstarke Schwangeren- und Erziehungsratgeber schrieb und „gelobt sei, was hart macht“ verbreitete. Kinder musste man kritisieren, strafen, auf Linie bringen. Zärtlichkeit, hingebungsvolle normale Mutterliebe nannte sie „Affenliebe“. Wenn ein Kind schrie, musste man es schreien lassen. Nahrung gab es nicht nach Bedarf, sondern nach Uhrzeit.
- Babyboomer, waren und sind Kinder von Müttern und Vätern, die dies selber gelernt hatten in der eigenen Kindheit und Jugend. Und die es weitergaben.
- Die Kriegseltern gaben auch ihre Traumata weiter, die erlittene Machtlosigkeit, die Angst, das Entsetzen über Krieg, Bombenterror, Vergewaltigungen.
- Wenn ein Kind gezeugt wurde, dann geschah das zumeist nicht in Ehrfurcht undLiebe, sondern im Stress der verdrängten Gefühle.
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Müssen wir unglücklich bleiben?
Was aber, wenn wir nicht in Ehrfurcht empfangen wurden, sondern in Angst, Panik, Verzweiflung und Wut? Dann haben wir gelernt, uns zu verstecken, uns zu schämen, haben den Selbstzweifel gelernt, den Kampf – auch gegen uns selber. Wir sind Hochleister, die das Wegducken lernten, sogar jene von uns, die zu den Chefs und Leadern gehören. Rund 60 Prozent der deutschen mittelständischen Unternehmen werden von Chefs geführt die um die 60 Jahre alt sind. Sie ordnen sich unfähigen Parteipolitikern unter und erlauben, dass diese die Wirtschaft zerstören. Sie verstecken ihren Zorn, wie die Väter es taten.
Ist jetzt, da wir ziemlich alt sind, alles verloren, oder gibt es Erlösung?
Ich glaube, es ist niemals nichts verloren – schon deswegen ist Veränderung jederzeit möglich, weil wir diese großartigen plastiden Gehirne haben.
Sobald wir uns auf unsere Stärken besinnen, ist Veränderung möglich. Denn gerade Menschen, die Härten überstanden haben, sind resilient. Der Grundsatz ist reine Resilienz-Psychologie: Was mich nicht umhaut, macht mich stark.
Lesen Sie mehr über Resilienz.
Erlösung für Erwachsene?
„Wenn ein Kind kritisiert wird, lernt es, zu verurteilen.
Wenn ein Kind angefeindet wird, lernt es, zu kämpfen.
Wenn ein Kind verspottet wird, lernt es, schüchtern zu sein.
Wenn ein Kind beschämt wird, lernt es, sich schuldig zu fühlen.“
Erkennen Sie sich wieder? Sind Sie verurteilend, kämpfen Sie notorisch gegen irgendwas und -wen und sich selber? Oder sind Sie weggeduckt, schüchtern, lassen alles mit sich machen? Weil Sie sich schuldig fühlen?
Was tun? Ist Änderung möglich? Gibt es Heilung, Erlösung?
Ich sage: Alle Veränderung fängt mit Erkenntnis an.
Wenn Sie sich in dem Gedicht wiedererkennen, dann sollten Sie erst einmal nur tief durchatmen und die Erkenntnis stehen lassen, akzeptieren, wirken lassen – auch Dankbarkeit empfinden für die eigene Offenheit!
Im letzten Abschnitt des Gedichtes liegen die Lösungen:
„Wenn ein Kind geborgen lebt, lernt es, zu vertrauen.
Wenn ein Kind anerkannt wird, lernt es, sich selbst zu mögen.
Wenn ein Kind in Freundschaft angenommen wird,
lernt es, in der Welt Liebe zu finden.“
Also: Fangen Sie an, sich selber zu mögen, sich Freund zu sein, sich zu vertrauen. anstatt Selbstkritik und Dauerhinterfragung.
Lernen Sie Selbstliebe.
Was hilft Ihnen dabei?
Etwa dieser Artikel hier über das Selbstloben:
Ein Coaching bei mir hilft noch mehr – sicher und ganz konkret. Schauen Sie hier: Boxenstopp-Coaching
Womöglich hilft Ihnen mein Hosentaschencoach: 15 Euro, für alle, die wirklich ins Tun kommen wollen. Dieses Buch liest man nicht einfach einmal durch, sondern immer wieder.
War das hilfreich? Dann freut sich Dr. Waltraud Berle – schreiben Sie mir ruhig einen Kommentar!
dr-berle.de
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