Ödipus-Komplex

Freuds Ödipus-Komplex und Frank Farrelly †

 

„Warum sollte ausgerechnet ich, das achte von zwölf Kindern, mit meiner Mutter schlafen wollen?!“ Das pflegte Frank Farrelly zu sagen, wenn die Rede auf Freuds ominösen Ödipus-Komplex kam. Und einmal, da war Frank noch ein junger Psychiater irgendwo in den USA, drohte er einem Patienten  Prügel an, weil der versucht hatte, eine Krankenschwester zu vergewaltigen. Der kriegte Angst, weil Frank, an die 1,90 Meter groß und von irisch-hünenhafter Gestalt sicherlich sehr beeindruckend war in seinem Zorn. „Hoo, Du darfst mir nichts tun, ich bin schließlich geisteskrank“, schrie der Patient und Frank dämmerte, dass er in dem Irrenhaus zum Narren gehalten wurde.

Die Geburtssekunde der Provokativen Therapie war das. Deren zentraler Grundsatz ist, Menschen, wenn sie mal schwächeln, nicht in ihrer Krankheit zu bestärken, sondern durch Erinnerung an ihre Stärken wieder aufzurichten und wieder in die Selbst-Verantwortlichkeit zu bringen. Nicht die Pseudo-Liebe der Fürsorge, sondern ein Akt des Respekts auf Augenhöhe. Das Mittel ist Verblüffung. Wer staunt, ist schon wieder neugierig und lacht leicht. Und wer lacht, ist nicht mehr traurig, sondern spürt wieder die Lebensenergie. Ganz einfache hirnmechanische Gleichung.

Ich bin unendlich glücklich, bei Frank Farrelly gelernt haben zu dürfen.

 

Seine Kraft, sein Witz, seine Herzlichkeit, sein irisch-amerikanisches Lachen, seine Männer-Klarheit und Kühnheit haben auf der ganzen Welt Menschen geprägt und glücklich gemacht. „Frank war einer der großen, weltweit bekannten Therapiegründer. Sein entscheidender Beitrag zur heutigen Psychotherapie und systemischen Kommunikation muss hier nicht mehr betont werden. Er war seiner Zeit um Jahrzehnte voraus, er hat das Lachen in der Psychotherapie „gesellschaftsfähig“ gemacht, aber er hat die Menschen auch polarisiert. Er ließ niemanden kalt und wurde daher von vielen geliebt und auch von einigen gehasst, speziell denen, die ihn und die Provokative Therapie nur vom Hörensagen kannten: „Sowas kann man doch nicht machen!“, sagten sie empört. Darüber konnte Frank herzlich lachen.“ Das schrieb Dr. Noni Höfner in ihrem Nachruf.

Crossover

Frank war für mich wie ein geistiger Vater. Und jetzt ist er tot. Er hat, wie er das nannte, den Crossover getan und setzt den Lebenstanz jetzt an anderer Stelle fort. Er sei froh, seiner früher verstorbenen Frau wieder zu begegnen, sagte er. Und wir Schüler tanzen in seinem Sinne hier noch ein Weilchen weiter. Und es ist ein tröstlicher Gedanke, dass man nach dem Crossover solche Leute wie den Frank wiedertreffen kann.