Coaching gegen Magersucht

Magersucht

Wie innere Bilder unser Leben bestimmen

Kürzlich in der Autowerkstatt wurde ich gefragt, was ich gegen Automatik-Autos hätte. Und mir fiel ein, wie ich mit 16 Jahren beschlossen hatte, Journalistin zu werden, und mir überlegte, was muss ein Journalist können …

Schreiben? Konnte ich. Schreibmaschineschreiben? Lernte ich sofort. Was noch?

Autofahren müssen rasende Reporterinnen natürlich können! Ah, so! Also machte ich direkt nach dem 18. Geburtstag noch vor dem Abitur den Führerschein. Mit Jobs in den Schulferien sparte ich mir das Geld für die Fahrschule zusammen. Automatikautos, um darauf zurückzukommen – ehrlich gesagt: das war doch wirklich etwas für sehr alte Herren, die die ganze Koordinationsarbeit nicht mehr schaffen konnten. Dachte ich mir.

Flitzer zur Freiheit

Vor meinen jugendlichen Augen hatte ich das Bild eines Sportflitzers, ein Aston Martin oder so einen schicken Spitfire von Triumph mit einem kurzen glänzenden Schaltknüppel, Edelholzgriff. DAS war Autofahren! Haha, ein Heidenspaß würde das sein! Und deswegen hat also mein Auto heute noch Schaltgetriebe … süß, oder?

 

Ihr Lieblingsauto gegen Magersucht

Was für ein Auto würden Sie kaufen – gesetzt den Fall, Sie mögen Autos? Geld würde überhaupt keine Rolle spielen? Vielleicht würden Sie dann sogar mehr als ein Auto kaufen …. also, das Spiel will, dass Sie mal ganz groß denken.

So. Und nun haben Sie also eine Entscheidung getroffen oder mehr als eine und können sich die Sache anschauen: Was gefällt Ihnen wirklich gut an Ihrem Wunschauto (oder den mehreren). Wie immer bei solchen Gedankenspielen gibt es keine falschen Antworten! Es gibt nur IHRE Antworten: Schreiben Sie 5-10 Attribute auf, und dann haben Sie Ihre Leitwerte vor Augen. Sie könnten das Spiel fortsetzen mit etwa Lieblingsbauwerk, Lieblingsarchitekt, Lieblingspolitiker, Lieblingskoch …. Sie werden merken: Die Werte wiederholen sich.

Warum ist das gegen Magersucht, werden Sie vielleicht fragen, seine Leitwerte zu kennen?

Die Antwort hat Antoine de Saint-Exupery mit diesem Satz gegeben:

Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ (Die Stadt in der Wüste Citadelle)

Fröhlichkeit, Lebendigkeit, Weite, Freiheit, Unabhängigkeit, Bewegung …. das alles sind Leitwerte, die in meinen Coachings an oberster Stelle regelmäßig auftauchen. Und sie sind immer mit individuellen inneren Bildern verknüpft.

Magersucht aus Sehnsucht

Der griechische Ursprung des deutschen Begriffs Magersucht – anorexia nervosa – bedeutet so viel wie „nervlich bedingtes fehlendes Verlangen“. Gemeint ist das Verlangen nach Essen. Gehen wir tiefer, entdecken wir aber bei den Magersüchtigen im Gegenteil einen riesigen Hunger, seelisch wie körperlich, den sie paradoxerweise mit aller Gewalt abwehren müssen oder wollen. Abgewehrt wird die Sehnsucht nach Fülle. Kontrolliert, verwaltet wird der Mangel. Die Körperfunktionen Magersüchtiger entsprechen einer „Vita minima“ mit herabgesetzter Herzfrequenz, erniedrigtem Blutdruck und herabgesetztem Grundumsatz. Auszehrung erdrosselt das Leben.

Es fehlt Magersüchtigen an Leitbildern für voll entwickelte lebendige Weiblichkeit, für machtvolle lebendige Männlichkeit – so wie es unserer arbeits- und leistungswütigen Gesellschaft an Leitbildern für voll entwickeltes lebendiges Glück fehlt. Das behaupte ich, weil ich es täglich erlebe: Menschen leiden, weil sie gelernt haben, Situationen auszuhalten, in denen das individuelle Glücksgefühl Mangelware ist.

Sehr viel Ermutigung ist nötig, damit Menschen sich im Coaching ihrer individuellen inneren Sehnsuchtsbilder gewahr werden und sie sich selber zugestehen! Glück definiert sich individuell über vollkommen subjektive Leitbilder.

 

Anpassung statt Selbstbewusstsein

Statt Selbstbewusstsein vorgefertigte Glücksbilder wohin man schaut. Statt Individualität regiert der Mainstream mit seinem Anpassungsdruck.

Unlängst las ich, nur fünf Prozent aller Frauen entsprächen dem in den Medien propagierten Körperideal! Stellen Sie sich das mal vor! Kein Wunder, dass mehr als 80 Prozent der pubertierenden Mädchen sich einbilden, „fett“ zu sein oder Angst haben „fett“ zu werden! Das heißt: 95 Prozent der Frauen streben nach Wüsten-Bildern von Dürre und Knochigkeit! Wir bringen die Hungerhaken-Bilder, die uns Models, Schauspieler und Fernseh-Journalisten vorführen, aber nicht, wie es korrekt wäre, in Zusammenhang mit Tod, sondern wir bringen sie in Zusammenhang mit Begehrenswertigkeit, Vitalität, Gesundheit! Das sind Fehlkoppelungen! Weg mit diesen leidbringenden Fatamorgana-Karikaturen!

Magersucht spiegelt unsere hyperzivilisierte Lustfeindlichkeit. „Nur dünn ist schön!“ – das glauben Magersüchtige. Das heißt doch eigentlich: Man darf nicht satt sein, man darf nicht stöhnen vor Befriedigung, schreien vor Glück! Wann haben Sie zuletzt jemanden vor Glück schreien hören oder selber geschrien vor Glück, Lust und Lebensfreude?

 

„Ich bin genau richtig dick und genau richtig dünn!“

Der wundervolle Satz ist vom runden, kleinen dicken Karlsson vom Dach. Wenn Sie ihn noch nicht kennen sollten – lernen Sie ihn kennen! Der Karlsson von Astrid Lindgren ist wie die Pippi Langstrumpf DAS Sinnbild für Individualismus und Freude am „ICH BIN ICH“.

Normale, selbstbewusste, lachende, starke, vergnügte Frauen sind nicht skelettiert. Männer auch nicht! Wenn Sie Ihren inneren Bildern gute neue Nahrung geben wollen, dann schauen Sie sich mal diese Frauen hier an. Dick und rund und strahlend, fotografiert von Liora K. – und bei Nette Barzilai kann man die selbstbewusste strotzende Lebensfreude hören:

alt="Coaching gegen Magersucht, Nette Barzilai"

 

Klar wissen wir, dass gewaltige Bauchfettwülste positiv korrelieren mit Herzproblematiken. Einfach gesprochen: Zu fettig ist definitiv ungesund. Aber ganz ohne Fett gibt es kein Leben und ohne Essen, Verstoffwechseln und Lust an allem auch nicht! Und die eine unheimlich traurige Frau, die ich im Park öfter beim Joggen sehe, deren Oberschenkel immer dünner wurden die vergangenen Monate und jetzt vielleicht noch so dick sind, wie meine Unterarme (sic!) – die wird sicher nicht mehr lange leben können. Sie ist traurigerweise auf dem ganz falschen Trip. Ein Wüstendürre-Ritt in den Tod.

Wenn wir NLP-Werkzeuge beim Coaching einsetzen, spielen wir andauernd mit inneren Bildern. Wer aufhören will zu rauchen, kann das relativ leicht erledigen, sobald wir die inneren Bilder entdeckt haben, die uns irgendwann mal dahin lenkten, die erste Zigarette anzuzünden. Das gilt für überhaupt jegliche Verhaltens-Modifikation. die Erklärung: Unsere Gefühle repräsentieren sich in inneren Bildern. Die Gefühle lassen sich wandeln, sobald wir die inneren Bilder verändern. Mehr darüber etwa bei Gerald Hüther.

Das Foto aus der DOVE-Kampagne ist weltberühmt.