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Bad Banks Coaching

 

Bad Banks – lieber reich als traurig

Ist der Weg zum Himmel mit Spaß gepflastert?

Bad Banks ist eine kleine TV-Serie und hatte soeben auf der Berlinale 2018 Premiere. Die Feuilleton-Kommentare überschlagen sich fast: „Endlich mal eine hervorragende deutsche Fernseh-Serie!“ Stimmt. Rasante Handlung, toller Plot, wirklich phantastische Schauspieler, auch sogar frische neue Gesichter. Finanzwelt, Intrigen, Lügen, Betrug, Sex and Crime unter Zockern und jungen Wilden, die so Sachen sagen, wie „Die ganze Nacht durcharbeiten ist voll cool.“ Geht natürlich nur mit Kokain, aber bitte, Moral haben wir hinter uns gelassen. Junge Wilde und alte skrupellose Zocker in Darwins freier Wildbahn. „Ab jetzt arbeiten Sie nicht mehr für Ihren Chef, Ihre Mitarbeiter, Ihre Bank. Ab jetzt arbeiten Sie nur noch für sich. Loyalität gibts nicht.“ Naja, stimmt ja auch bei Darwin: In der freien, nicht gehegten Natur gewinnen die Stärkeren. Die Serie ist irre spannend! Und unheilig wie der Individualismus.

Schluss mit Moral und Sozialplänen

Also Bad Bank heißt nicht etwa böse, unmoralische, arbeitnehmer- und gewerkschaftsfeindliche drecks-kapitalistische Ausbeuter-Bank. Nein, sondern: „Eine Bad Bank (engl. aus bad debt bank, dt. Bank für schlechte Verpflichtungen), auch Abwicklungsbank, Abwicklungsanstalt oder Auffangbank, ist ein gesondertes Kreditinstitut zur Aufnahme von Derivaten und Zertifikaten von in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Emittenten und zur Abwicklung sogenannter notleidender Kredite sanierungsbedürftiger Banken. Ziel ist die Übertragung der Ausfallrisiken auf Dritte.“ (Wikipedia)

„It’s a game, never forget!“ sagt einer der Oberbosse zur erst 25-jährigen Hauptfigur, die eine echte Streberin ist. In der Schule hat sie die Spickzettelleute verpetzt, weil sie fand, in der Zeit des Zettelproduzierens könne man auch genausogut lernen.

Trump, der bad guy und Groß-Ego

Genau dieser Oberboss sagt ihr auch diesen Satz: „Die meisten von Euch schaffen es nicht, weil Euch die gesunde Portion Selbstüberschätzung fehlt!“ Au, das spitzte der Psychologin in mir die Ohren. Selbstüberschätzung! Was hatte ich dazu nicht alles gelernt in der Kindheit. Was sich alles meist auch in den Köpfen meiner Klienten findet:

Hochmut kommt vor dem Fall … Nimm dich nicht so wichtig … Blas dich nicht so auf … Der Klügere gibt nach …. Schuster, bleib bei deinem Leisten … na, gut, immerhin fiel mir auch ein: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.“ Synonyme zu Selbstüberschätzung: Überheblichkeit, Selbstgefälligkeit, Besserwisserei, Herrschsucht und – aus der Psychopathologie und Küchenpsychologie – der Narzissmus.

Als ich mit Narzissmus ein Foto suchte, fand ich augenblicklich das von Trump und witzigerweise unter den Suchwörtern trump-me-narzissmus-prunkhaftigkeit gespeichert.

Ist Deutschland pathologisch lebensfeindlich?

Hochmut kommt vor dem Fall, wer den Kopf zu weit rausstreckt, kriegt ihn abgehackt – das Kopfeinziehen hat bei uns Tradition. Zugunsten von etwas, das die Großeltern und Eltern noch „gottgefälliges Leben“ nannten. „Schaffe, schaffe, Häusle baue“, das schwäbisch-pietistischee Alt-Prinzip, ist schon das Höchste dabei. Der Hitler hat uns gezeigt, wie tödlich das Kopfrausstrecken sein kann. Auch der französische Napoleon, der russische Stalin, welcher immerhin eines natürlichen Todes starb, aber schuldig, schuldig, schuldig geworden. Und alle irgendwie größenwahnsinnig, ehe sie so wahnsinnig groß und mächtig wurden. Und wenn man die deutschen Zeitungen so liest, muss man annehmen, dass der schlimme Trump auch größenwahnsinnig ist und die Welt in den Untergang führt. Führt großes Leben in die Hölle?

Das Unterbewusstsein ist leider kein Lustmolch

Das Unterbewusstsein hat Macht über uns. Es steuert uns Menschen von der hohen moralischen Warte aus. Und es ist moralinsauer. Wenn ich meinen sehr begabten Klienten sage: „Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dümmere ist!“ dann lachen immer alle sehr. Ich habe auch sehr gelacht, als ich diesen Satz das erste Mal hörte, und zwar habe ich sehr befreit gelacht! So wie damals, als dieser deutsche Star-Anwalt, ein Strafverteidiger, vor Gericht wegen permanenten Zuschnellfahrens, sich damit verteidigte, er fahre schließlich auch ungeheuer viel und müsse deswegen mehr Frei-Punkte bekommen, als der Durchschnittsmensch. Haha, Bad Banks statt Demokratie!

Man darf darf darf nicht besser sein, als alle

Hahahahahaaa, kann man doch da nur sagen: Frei-Punkte! Sonderbehandlung! Undemokratisch! Unsozial! Schließlich sind wir alle gleich! Noch ein Narzisst, Größenwahnsinniger, Trumpist und einfach gaga. Ja, aber erfolgreich und lustig. Und sicher nicht Mainstream. Also die Braven, Obrigkeitshörigen, Höflichen und Angepassten – ehrlich? Ganz ehrlich: die langweilen uns doch alle tödlich. Spaß macht das Verrücktsein. Habe ich Recht? Deswegen ist die TV-Serie Bad Banks aus der Finanzwelt auch so irre spannend. Das unmoralische Treiben macht uns schlichtweg Spaß. WEIL das moralinsaure Wertegerüst, das wir in uns tragen … uns so verdammt fies vom Spaßhaben abhält.

Höllenangst – Das Leiden an der Anständigkeit

Stagnation ist das Ergebnis des moralinsauer steuernden Unterbewusstseins. Vor lauter „Wenn-Dann“-Überlegungen kommen wir nicht ins Handeln. Handeln aber ist besser als das ganze Planen. Macht reimt sich eben auf Pracht und nicht auf Schlaf. Bad Banks: Das Verbotene macht uns grade scharf! Und lustig. Ach, aber die Wirklichkeit ist doch voller Burnout, der der lahmen Trauer folgt: Resignation folgt auf Stagnation. „Ich kusche andauernd, schrecklich“, sagte kürzlich ein junger Klient. Frei und im Flow leben dagegen! Das ist jetzt sein Ziel. Und er hat sogar schon mal einen anderen zusammengeschlagen, weil ihm dessen Pöbelgehabe irgendwann zu viel war. War nicht brav und hat obsiegt. Den Trump buchstabiert er so:

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Bad Banks: Lebe wild und gefährlich

Ich glaube, immer mehr Menschen haben Sehnsucht nach dem wilden, freien und großen Leben. Es bremst uns die Furcht, wir könnten dadurch in die Hölle kommen am Ende, weil wir gelernt haben, irgendwie eben brav sein zu sollen zu müssen. „Die gesunde Portion Selbstüberschätzung“ ist nicht gleich ungesund. Wir sollten es alle damit probieren, um dann zu schauen, wie weit wir gehen wollen. Und können!

„Mir gefällt Ihr Ansatz des Egozentrismus! Wenn ich (ego) nicht in der Mitter (centrum) meines Bewusstseins bin, lebe ich das Leben der Anderen. Und nicht meins.“

Das schrieb mir eben ein Blog-Leser. Danke für das Wort: den Egozentrismus  hatte ich in der Aufzählung der Negativ-Konnotationen ganz vergessen.