Ziele wie ein Bogenschütze!

Zweifel und Ziel

Ich verrate Ihnen hier noch ein paar Geheimnisse über Ziele

, über den Willen, den Glauben und die Kraft der Entscheidung gegen den zitternden Arm. Und was hat der Löwenkopf damit zu tun und der keifende Kater? Da fängt eben die Entscheidung an, lesen Sie weiter:

Ich entscheide, also bin ich.

Naja, das Bild meint ja einfach: Wen sehe ich, wenn ich in den Spiegel gucke, einen Löwen, einen König, eine alte räudige, vielleicht etwas sehr groß geratene Katze? Neurotisch durchgeknallt? Manche sehen tatsächlich nur einen Wurm. Ich persönlich sehe manchmal auch einen Wurm, damit Sie nicht denken, diese Coach-Frau bildet sich so was von ein und meint wohl, sie sei Guru. Ist sie nicht.

Zweifel führt zum Verzweifeln, wenn lange genug

Und ich hab auch manchmal Zweifel, immer dann, wenn mir alles zu lange dauert. Die lange Weile aus der Kindheit. Dieses ewige Herumsitzen im sogenannten Unterricht. Und wer lässt sich das als Erwachsener noch bieten, diesen Sitzzwang? Und gleichzeitig wussten ja die Altvorderen, dass „gut Ding Weile hat“. Was nichts mit Sitzzwang zu tun hat, sondern mit Schritt für Schritt Weiterlaufen. Die Jogger wissen, was ich meine.

Die Bogenschützen vom LMU-Sport, bei denen ich mal kurzzeitig trainierte, die wissen, dass der Zweifel der Feind ist. Der Zweifel lässt den Arm zittern, die Augen tränen, die Knie schlottern. Also tut der gute und erfolgreiche Bogenschütze einfach so, als gäbe es den Zweifel nicht. Und hat Ausdauer statt langweiligem Ausgeliefertsein.

Hirnamputiert?

Ja, Sie können das mal versuchen: so tun, als gäbe es jenen Teil Ihres Gehirns nach etwa einer Coaching-Operation nicht mehr, in dem der Zweifel-Verzweifel wohnte. Jetzt ist er weg! Haha! Sie können jetzt wollen, was Sie wollen und auch tun.

Im Bizeps liegt Kraft

Der Bogenschütze hat also auch ein teilamputiertes Hirn und geht deswegen wohlgemut an die Linie, guckt freundlich, ob nicht noch jemand im Schussfeld herumläuft (wie diese Flüchtlinge, die der Schleuser gestern frisch aus Österreich zu uns hineinschleuste, wo sie dann auf der Bundesstraße herumschlurften, als seien sie im afrikanischen Busch irgendwo, so dass eine junge Autofahrerin nicht mehr bremsen konnte), übernimmt also Verantwortung für sein Tun, dann wird der Bogen angehoben, die Zielscheibe anvisiert. Der Atem sagt „Ooohm“ und strömt äußerst gelassen, die Sehne wird mit der Bizepskraft gespannt, und die Füße stehen wie verwurzelt und der ganze Körper ist ein einziger Wille, so dass die Finger den Pfeil nur sacht loslassen müssen. Man schießt den Pfeil nicht ab, schiebt ihn nicht ins Ziel, schleudert ihn nicht nach vorn, nein, man lässt ihn einfach los als Bogenschütze, der Rest ist Physik.

Ich weiß aber, dass ich nichts kann

Gestern rief mich ein junger Verwandter an. Der ist Schauspieler und will auch Schauspieler sein. Also: Er wollte das, bis jetzt. Gestern aber sagte er: Ich weiß genau, dass es nicht zu schaffen ist. Ohjeh. Ja, meinte er, er kenne nämlich auch jede Menge Schauspieler, die eben von diesem Beruf nicht leben könnten. … Mir fiel schlagartig der vollkommen ungezogene, gutmenschlich herumpöbelnde Til Schweiger ein, die schöne Iris Berben, Brigit Bardot, mein alter Schwarm, der inzwischen tote Pierre Brice, na, Sie wissen schon. Ich hörte aber schnell auf, diese Namen ins Spielfeld zu bringen, denn der junge Verwandte wurde ganz wütend. Er wollte die Sicherheit der Verzweiflung nicht eintauschen gegen die Unsicherheit der Hoffnung.

Neugierig geworden?

Es könnte auch ein frecher Fall-Wind aus dem Olympischen Dorf in München herunterfauchen und den Pfeil wegblasen. Das stimmt. Und eine Klientin schickte mir vor zwei Minuten das Morning Briefing von Gabor Steingart vom Handelsblatt, welches mir gut zupass kommt:

„Wir Normalsterbliche haben wahrlich allen Grund, unsere Vorstellungen vom Altwerden zu überdenken: Vielleicht kommt es ja gar nicht so sehr auf das Vermeiden von Kalorien, Kohlenhydraten und Nikotin an, sondern vielmehr auf die Pflege von Wissen und Wissbegierde. Die Lehre, die der alte Schmidt uns erteilt, ist wohl diese: Leben ist nur ein anderes Wort für Neugier.“

Ob ich das Ziel wohl erreiche? Kommt der blöde Wind oder hilft mir ein Engel? Bin ich die Ausnahme, welche die Regel vielleicht bestätigt? Nicht „ob“ ist die Frage. Die Frage ist „wie“. Wenn Sie Ihre Pfeile auf Ziele loslassen wollen.